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141 Das eigene Zimmer

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DAS EIGENE ZIMMER
DAS EIGENE ZIMMER


... durch die STUFEN DER INTIMITÄT (127) wird klar, dass jede Wohnung Räume zum Alleinsein haben muss. In jedem Haushalt mit mehr als einer Person ist das ein grundlegendes und wichtiges Bedürfnis — DIE FAMILIE (75), HAUS FÜR EINE KLEINFAMILIE (76), HAUS FÜR EIN PAAR (77). Das folgende Muster, das jene Räume bestimmt, die die Leute ganz für sich haben, ist das natürliche Gegenstück und die Ergänzung zu der sozialen Aktivität,  für die GEMEINSCHAFTSBEREICHE IN DER MITTE (129) vorgesehen sind.


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Niemand kann anderen nahe sein, wenn er nicht öfters auch die Möglichkeit hat, allein zu sein.


Wenn jemand in einem Haushalt kein eigenes Zimmer hat, wird er sich immer in einer Konfliktsituation befinden: Er möchte am Familienleben teilnehmen und als ein wichtiges Mitglied dieser Gruppe anerkannt werden; aber er kann seine Individualität nicht entwickeln, weil kein Teil der Wohnung ausschließlich für ihn bestimmt ist. Das ist fast so, als würde man erwarten, dass ein Ertrinkender den anderen rettet. Die Teilnahme am Gemeinschaftsleben ist nur etwas für jemanden, der eine gut entwickelte, starke Persönlichkeit hat.


Diese Ansicht wurde von zwei amerikanischen Soziologen, Foote und Cottrell, untersucht:


Es gibt einen kritischen Punkt, über den hinaus der enge Kontakt mit einer anderen Person nicht mehr zum Anwachsen des Einfühlungsvermögens führt. (A) Bis zu einem bestimmten Punkt verstärkt intimer Austausch die Fähigkeit, sich in andere einzufühlen. Wenn aber die anderen andauernd gegenwärtig sind, scheint der Organismus einen Schutzwiderstand gegen sie zu entwickeln... Diese Grenze des Einfühlungsvermögens sollte bei der Planung der optimalen Größe und Dichte einer städtischen Bevölkerung sowie bei der Planung von Schulen und Wohnhäusern in Betracht gezogen werden. (B) In Familien, in denen es Zeit und Raum zum Alleinsein gibt und in denen Kinder den Nutzen und die Befriedigung lernen, die im Zurückziehen zu privaten Träumereien liegen — in diesen Familien entwickelt sich ein größeres Einfühlungsvermögen als in den anderen. (N. Foote und L. Cottrell, Identity and Interpersonal Competence, Chicago, 1955, S. 72-73, 79.)


Alexander Leighton kam zu ähnlichen Schlüssen, als er die psychischen Schäden, die durch einen systematischen Mangel an Privatsphäre entstehen, hervorhob. („Psychiatric Disorder and Social Environment", Psychiatry, 18 (3), S. 374, 1955.)


Wie kann dieses Problem, räumlich gesehen, gelöst werden? Ganz einfach, durch ein eigenes Zimmer. Durch einen Ort, den man aufsuchen und wo man die Tür hinter sich zumachen kann; einen Zufluchtsort mit visueller und akustischer Abgeschiedenheit. Und um sicherzustellen, dass die Zimmer wirklich privat sind, müssen sie an den äußersten Enden der Wohnung untergebracht sein: am Ende von Gebäudeflügeln; am Ende der STUFEN DER INTIMITÄT (127); weit weg von den Gemeinschaftsbereichen.


Sehen wir uns jetzt einmal die einzelnen Familienmitglieder eines nach dem anderen — genauer an.


Ehefrau. Wir setzen sie an erste Stelle, weil sie normalerweise die größten Schwierigkeiten mit diesem Problem hat. Sie gehört überallhin, und in gewisser Weise gehört ihr jeder Ort in der Wohnung — und dennoch hat die Frau des Hauses nur äußerst selten ein kleines Zimmer, das ausschließlich und speziell für sie gedacht ist. Die beeindruckendste und wichtigste Darstellung dieser Frage bietet wohl Virginia Woolfs berühmte Erzählung „A Room of One's Own" (Ein Zimmer für sich allein):- an die wir den (englischen) Namen dieses Musters anlehnten.


Ehemann. Früher hätte der Herr des Hauses normalerweise ein eigenes Arbeitszimmer oder eine eigene Werkstätte. In modernen Häusern und Wohnungen ist das so selten geworden wie das eigene Zimmer für die Frau. Dabei ist es sicher genauso wesentlich. So mancher Mann denkt bei seiner Wohnung an schreiende kleine Kinder und an die großen Anforderungen, die dort an ihn gestellt werden. Wenn er kein eigenes Zimmer hat, muss er im Büro bleiben, weg von zu Hause, um Ruhe und Frieden zu haben.


Teenager. Den Teenagern haben wir ein eigenes Muster zu diesem Problem gewidmet: HÄUSCHEN FÜR TEENAGER (154). Darin behaupten wir, dass gerade die Teenager am meisten mit dem Problem konfrontiert sind, eine solide und starke Identität zu entwickeln; und doch sind es meist die Jüngeren unter den Erwachsenen, denen man keinen eigenen Plätz, der klar als ihr eigener kenntlich ist, zugesteht.


Kinder. Sehr kleine Kinder haben noch relativ wenig Bedarf an Privatsphäre — aber ein wenig privater Raum sollte doch vorhanden sein. Sie brauchen einen Platz, an dem sie ihre persönlichen Dinge aufbewahren können, wo sie manchmal allein sein können, wohin sie sich mit einem Spielgefährten zurückziehen können — siehe GRUPPE VON BETTEN (143) und BETTNISCHE (188). John Madge hat eine gute Zusammenfassung über das Bedürfnis nach Privatsphäre in einer Familie geschrieben („Privacy and Social Interaction", Transactions of the Bärtlett Society, Bd. 3, 1964 —65), in der er über Kinder folgendes sagt:


Das Schlafzimmer dient oft als Aufbewahrungsort für viele der persönlichen Gegenstände, die jemandem Freude machen und ihn dabei unterstützen, sich von den anderen Mitgliedern seines engsten Lebenskreises abzuheben - tatsächlich wird er sie oft eher einem Gleichaltrigen oder jemandem desselben Geschlechts zeigen als einem Mitglied der eigenen Familie.


Zusammengefasst möchten wir also darauf hinweisen, daß ein eigenes Zimmer — eine Nische oder ein kleines Schlafeck für kleinere Kinder — für jedes Mitglied der Familie wichtig ist. Es trägt zur Entwicklung der eigenen Identität bei; es verstärkt die Bindung zum Rest der Familie; und es schafft einen persönlichen Bereich und dadurch auch eine stärkere Bindung an die Wohnung selbst.



Daraus folgt:


Gib jedem Familienmitglied ein eigenes Zimmer, vor allem den Erwachsenen. Das Minimum an eigenem Raum ist eine Nische mit Tisch, Regalen und Vorhang. Das Maximum ist ein Häuschen - wie das HÄUSCHEN FÜR TEENAGER (154) oder das HÄUSCHEN FÜR ALTE (155). Leg diese Zimmer in jedem Fall und vor allem bei Erwachsenen an das äußerste Ende, was die Stufen der Intimität betrifft - weit entfernt von den Gemeinschaftsbereichen.


Illustration aus „A Pattern Language“
Illustration aus „A Pattern Language“


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Verwend dieses Muster als Gegenstück zu den durch GEMEINSCHAFTSBEREICHE IN DER MITTE (129) geschaffenen intensiven Formen des „Zusammenseins". Richte selbst für kleine Kinder zumindest eine Nische im gemeinschaftlichen Schlafbereich ein — BETTNISCHE (188); und richte für den Mann und die Frau zusätzlich zu ihrem gemeinsamen Bereich jeweils ein eigenes Zimmer ein; das könnte ein erweitertes ANKLEIDEZIMMER (189) sein, eine WERKSTATT IM HAUS (157) oder wiederum eine von einem anderen Zimmer erreichbare Nische — NISCHEN (179), ABGRENZUNG DES ARBEITSPLATZES (183). Wenn Geld dafür da ist, könnte man jemandem sogar ein an das Hauptgebäude angefügtes Häuschen geben — HÄUSCHEN FÜR TEENAGER (154), HÄUSCHEN FÜR ALTE (155). In jedem Fall muss zumindest genug Platz für einen Tisch, einen Sessel und für DINGE AUS DEM EIGENEN LEBEN (253) sein. Was die genaue Gestalt des Raums betrifft, siehe LICHT VON ZWEI SEITEN IN JEDEM RAUM (159) - und DIE FORM DES INNENRAUMS (191)

Muster: Gebäude


95. GEBÄUDEKOMPLEX

96. ANZAHL DER STOCKWERKE

97. ABGESCHIRMTES PARKEN

98. ORIENTIERUNG DURCH BEREICHE

99. HAUPTGEBÄUDE

100. FUSSGÄNGERSTRASSE

101. PASSAGE DURCHS GEBÄUDE

102. FAMILIE VON EINGÄNGEN

103. KLEINE PARKPLÄTZE

104. VERBESSERUNG DES BAUPLATZES

105. AUSSENRAUM NACH SÜDEN

106. POSITIVER AUSSENRAUM

107. GEBÄUDEFLÜGEL MIT TAGESLICHT

108. ZUSAMMENHÄNGENDE GEBÄUDE

109. LANGES SCHMALES HAUS

110. HAUPTEINGANG

111. HALBVERSTECKTER GARTEN

112. ZONE VOR DEM EINGANG

113. VERBINDUNG ZUM AUTO

114. HIERARCHIE VON AUSSENRÄUMEN

115. BELEBTE INNENHÖFE

116. DACHKASKADE

117. SCHÜTZENDES DACH

118. DACHGARTEN

119. ARKADEN

120. WEGE UND ZIELE

121. DIE FORM VON WEGEN

122. GEBÄUDEFRONTEN

123. FUSSGÄNGERDICHTE

124. AKTIVTÄTSNISCHEN

125. SITZSTUFEN

126. ETWAS FAST IN DER MITTE

127. STUFEN DER INTIMITÄT

128. SONNENLICHT IM INNEREN

129. GEMEINSCHAFTSBEREICHE IN DER MITTE

130. DER EINGANGSRAUM

131. VON RAUM ZU RAUM

132. KURZE VERBINDUNGSGÄNGE

133. DIE STIEGE ALS BÜHNE

134. DIE AUSSICHT DES MÖNCHS

135. WECHSEL VON HELL UND DUNKEL

136. BEREICH DES PAARS

137. BEREICH DER KINDER

138. SCHLAFEN NACH OSTEN

139. WOHNKÜCHE

140. PRIVATTERRASSE AN DER STRASSE

141. DAS EIGENE ZIMMER

142. MEHRERE SITZPLÄTZE

143. GRUPPE VON BETTEN

144. BADERAUM

145. ABSTELLRAUM

146. FLEXIBLE BÜROFLÄCHE

147. GEMEINSAMES ESSEN

148. KLEINE ARBEITSGRUPPEN

149. ENTGEGENKOMMENDER EMPFANG

150. EIN PLATZ ZUM WARTEN

151. KLEINE BESPRECHUNGSZIMMER

152. HALBPRIVATES BÜRO

153. VERMIETBARE RÄUME

154. HÄUSCHEN FÜR TEENAGER

155. HÄUSCHEN FÜR ALTE

156. ERFÜLLTE ARBEIT

157. WERKSTATT IM HAUS

158. OFFENE TREPPEN

159. LICHT VON ZWEI SEITEN IN JEDEM RAUM

160. DIE GEBÄUDEKANTE

161. SONNIGE STELLE

162. ABGESTUFTE NORDFRONT

163. ZIMMER IM FREIEN

164. STRASSENFENSTER

165. ÖFFNUNG ZUR STRASSE

166. DIE GALERIE RUNDHERUM

167. ZWEI-METER-BALKON

168. VERBINDUNG ZUM BODEN

169. TERRASSIERTER HANG

170. OBSTBÄUME

171. PLÄTZE UNTER BÄUMEN

172. WILDWACHSENDER GARTEN

173. GARTENMAUER

174. LAUBENWEG

175. GLASHAUS

176. SITZPLATZ IM GARTEN

177. GEMÜSEGARTEN

178. KOMPOST

179. NISCHEN

180. PLATZ AM FENSTER

181. DAS FEUER

182. ATMOSPHÄRE BEIM ESSEN

183. ABGRENZUG DES ARBEITSPLATZES

184. DER KOCHPLATZ

185. RUNDER SITZPLATZ

186. GEMEINSAMES SCHLAFEN

187. EHEBETT

188. BETTNISCHE

189. ANKLEIDEZIMMER

190. VERSCHIEDENE RAUMHÖHEN

191. FORM DES INNENRAUMS

192. FENSTER MIT BLICK AUF DIE AUSSENWELT

193. DURCHBROCHENE WAND

194. FENSTER IM INNERN

195. ANLEGEN DER STIEGE

196. TÜREN IN DEN ECKEN

197. DICKE WÄNDE

198. SCHRÄNKE ZWISCHEN RÄUMEN

199. SONNIGE ARBEITSFLÄCHE

200. OFFENE REGALE

201. BORD IN HÜFTHÖHE

202. EINGEBAUTE SITZBANK

203. HÖHLEN FÜR KINDER

204. GEHEIMFACH