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129 Gemeinschaftsbereich in der Mitte

Aus Pattern Language Wiki

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... im Verlauf der STUFEN DER INTIMITÄT (127) sind in jedem Gebäude und für jede soziale Gruppe innerhalb eines Gebäudes Gemeinschaftsbereiche nötig. Leg sie gemäß dem Muster SONNENLICHT IM INNERN (128) an der sonnigen Seite an; und statte große Gemeinschaftsbereiche mit höheren Dächern aus DACHKASKADEN (116).


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Keine soziale Gruppe - ob Familie, Arbeits- oder Schulgruppe - kann ohne ständigen informellen Kontakt untereinander überleben.


Jedes Gebäude, das soziale Gruppen beherbergt, kann diese Kontakte durch Gemeinschaftsbereiche unterstützen. Dabei kommt es sehr auf die Form und Lage dieser Gemeinschaftsbereiche an. Hier ist ein Beispiel für einen gelungenen Gemeinschaftsbereich — die Beschreibung eines Familienwohnraums im Haus eines peruanischen Arbeiters:


Für eine peruanische Familie mit niedrigem Einkommen stellt der Familienraum das Herz des Familienlebens dar. Hier wird gegessen, ferngesehen, und jedes Familienmitglied, das das Haus betritt, geht zuerst in diesen Raum, um die anderen zu begrüßen, sie zu küssen, ihnen die Hand zu geben und Neuigkeiten auszutauschen. Dasselbe passiert, wenn Leute das Haus verlassen.


Der Familienraum ist der Mittelpunkt des Familienlebens, indem er diese Vorgänge unterstützt. Der Raum ist im Haus so angelegt, dass die Leute auf dem Weg in das oder aus dem Haus ganz selbstverständlich dort durchgehen. Das Ende des Raums, wo sie durchgehen, ermöglicht ihnen, ein paar Minuten stehen zu bleiben, ohne einen Sessel zum Niedersetzen hervorziehen zu müssen. Das Fernsehgerät steht am anderen Ende des Raums, und oft ist der Blick auf den Bildschirm eine Rechtfertigung, noch einen Moment zu bleiben. Der Teil des Raums mit dem Fernsehgerät ist oft verdunkelt; der Familienraum und der Fernseher funktionieren mitten am Tag genauso wie abends.


Was können wir aus diesem Beispiel verallgemeinern? Wenn ein Gemeinschaftsbereich am Ende eines Ganges liegt und die Leute sich entschließen müssen, dorthin zu gehen, werden sie ihn wahrscheinlich nicht ungezwungen und spontan benützen.


Illustration aus „A Pattern Language“
Illustration aus „A Pattern Language“


Wenn der Weg aber zu stark in die Mitte des Gemeinschafts-Bereiches einschneidet, ist der Bereich zu exponiert und lädt nicht zum Herumstehen und Bleiben ein.


Illustration aus „A Pattern Language“
Illustration aus „A Pattern Language“


Die einzige ausgewogene Situation ist die, dass ein von allen täglich benützter Weg tangential an den Gemeinschaftsbereichen vorbeiführt und zu diesen Bereichen hin offen ist. Dann werden die Leute ständig an diesem Raum vorbeikommen; da der Weg aber an einer Seite liegt, müssen sie nicht unbedingt stehenbleiben. Wenn sie wollen, können sie weitergehen. Wenn sie wollen, können sie einen Moment stehenbleiben und schau an, was los ist; sie können aber auch hineingehen und dort bleiben.


Illustration aus „A Pattern Language“
Illustration aus „A Pattern Language“


Erwähnenswert ist die Tatsache, dass dieses Muster bei jedem Projekt, an dem wir gearbeitet haben, in irgendeiner Form vorgekommen ist. Beim Multi-Service-Center hatten wir ein.


Muster namens Personal-Aufenthaltsraum, das auf denselben geometrischen Grundlagen beruhte (A Pattern Language Which Generates Multi-Service Centers, C. E. S., 1968, S. 241); bei unserer Arbeit über Heilzentren für psychisch Kranke hatten wir als wichtigen Teil der Therapie wieder das gleiche Muster, Teilnahme nach Wahl des Patienten; bei unserer Arbeit an den peruanischen Wohnhäusern hatten wir Erschließung des Familienraums das ist das eben geschilderte Beispiel für eine Familie (Houses Generated by Patterns, C. E. S., 1969, S. 140); und bei unserer Arbeit über Universitäten, The Oregon Experiment, hatten wir in Muster namens Die Mitte des Instituts - wieder das gleiche Muster, diesmal für die einzelnen Institute. Es ist möglicherweise das grundlegendste Muster, wenn es um den Zusammenhalt von Gruppen geht.


Im Detail haben sich drei Merkmale für einen erfolgreichen Gemeinschaftsbereich herauskristallisiert:


  1. Er muss sich mit dem Schwerpunkt eines Gebäudekomplexes, eines Gebäudes oder Gebäudeflügels, den eine Gruppe einnimmt, decken. In anderen Worten, er muss baulich in der Mitte des Ganzen liegen, damit er jedem auf gleiche Weise zugänglich ist und als das Zentrum der Gruppe empfunden werden kann.

  2. Das Wichtigste ist, dass er „auf dem Weg" vorn Eingang zu den privaten Räumen liegt, damit die Leute auf dem Weg ins Gebäude oder hinaus immer daran vorbeigehen. Er darf auf keinen Fall eine Art Sackgasse sein, die nur über einen Umweg zu erreichen ist. Aus diesem Grund müssen die daran vorbeiführenden Wege direkt an ihn angrenzen.
    Der Gemeinschaftsbereich einer Klinik, die wir in Modesto, Kalifornien, gebaut haben, und wo wir auf allen vier Seiten tangierende Wege anlegen konnten.
    Der Gemeinschaftsbereich einer Klinik, die wir in Modesto, Kalifornien, gebaut haben, und wo wir auf allen vier Seiten tangierende Wege anlegen konnten.
    Der Gemeinschaftsbereich einer Klinik, die wir in Modesto, Kalifornien, gebaut haben, und wo wir auf allen vier Seiten tangierende Wege anlegen konnten.


  3. Er muss die richtigen Komponenten enthalten - normalerweise eine Küche und einen Bereich zum Essen, da das Essen zu den wichtigsten Gemeinschaftsaktivitäten zählt, und einen Bereich zum Sitzen mit mindestens ein paar bequemen Sesseln, damit die Leute gern bleiben. Außerdem sollte es einen Bereich im Freien geben - an schönen Tagen streben alle nach draußen -, damit man eine Zigarette rauchen, im Gras sitzen 'oder ein Gespräch fortsetzen kann.



Daraus folgt:


Schaff einen einzelnen Gemeinschaftsbereich für jede soziale Gruppe. Leg ihn am gemeinsamen Schwerpunkt aller Räume, die die Gruppe einnimmt, an und zwar so, dass die aus dem Haus und in das Haus führenden Wege tangential daran vorbeiführen.


Illustration aus „A Pattern Language“
Illustration aus „A Pattern Language“


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Zu den grundlegendsten Elementen der Gemeinschaftsbereiche zählen Essen und Feuer. Bezieh WOHNKÜCHE (139), GEMEINSAMES ESSEN (147) und DAS FEUER (181) mit ein. Für eine detaillierte Beschreibung der Gestalt des Gemeinschaftsbereiches siehe LICHT VON ZWEI SEITEN IN JEDEM RAUM (159) und DIE FORM DES INNENRAUMS (191). Sorg dafür, dass es genügend verschiedene Sitzplätze gibt, die je nach Situation unterschiedlich beschaffen sind - MEHRERE SITZPLÄTZE (142). Sieh ein ZIMMER IM FREIEN (163) vor. Und leg die Wege so an, dass sie direkt an den Gemeinschaftsbereichen vorbeiführen - ARKADEN (119), VON RAUM ZU RAUM (131), KURZE VERBINDUNGSGÄNGE (132)

Muster: Gebäude


95. GEBÄUDEKOMPLEX

96. ANZAHL DER STOCKWERKE

97. ABGESCHIRMTES PARKEN

98. ORIENTIERUNG DURCH BEREICHE

99. HAUPTGEBÄUDE

100. FUSSGÄNGERSTRASSE

101. PASSAGE DURCHS GEBÄUDE

102. FAMILIE VON EINGÄNGEN

103. KLEINE PARKPLÄTZE

104. VERBESSERUNG DES BAUPLATZES

105. AUSSENRAUM NACH SÜDEN

106. POSITIVER AUSSENRAUM

107. GEBÄUDEFLÜGEL MIT TAGESLICHT

108. ZUSAMMENHÄNGENDE GEBÄUDE

109. LANGES SCHMALES HAUS

110. HAUPTEINGANG

111. HALBVERSTECKTER GARTEN

112. ZONE VOR DEM EINGANG

113. VERBINDUNG ZUM AUTO

114. HIERARCHIE VON AUSSENRÄUMEN

115. BELEBTE INNENHÖFE

116. DACHKASKADE

117. SCHÜTZENDES DACH

118. DACHGARTEN

119. ARKADEN

120. WEGE UND ZIELE

121. DIE FORM VON WEGEN

122. GEBÄUDEFRONTEN

123. FUSSGÄNGERDICHTE

124. AKTIVTÄTSNISCHEN

125. SITZSTUFEN

126. ETWAS FAST IN DER MITTE

127. STUFEN DER INTIMITÄT

128. SONNENLICHT IM INNEREN

129. GEMEINSCHAFTSBEREICHE IN DER MITTE

130. DER EINGANGSRAUM

131. VON RAUM ZU RAUM

132. KURZE VERBINDUNGSGÄNGE

133. DIE STIEGE ALS BÜHNE

134. DIE AUSSICHT DES MÖNCHS

135. WECHSEL VON HELL UND DUNKEL

136. BEREICH DES PAARS

137. BEREICH DER KINDER

138. SCHLAFEN NACH OSTEN

139. WOHNKÜCHE

140. PRIVATTERRASSE AN DER STRASSE

141. DAS EIGENE ZIMMER

142. MEHRERE SITZPLÄTZE

143. GRUPPE VON BETTEN

144. BADERAUM

145. ABSTELLRAUM

146. FLEXIBLE BÜROFLÄCHE

147. GEMEINSAMES ESSEN

148. KLEINE ARBEITSGRUPPEN

149. ENTGEGENKOMMENDER EMPFANG

150. EIN PLATZ ZUM WARTEN

151. KLEINE BESPRECHUNGSZIMMER

152. HALBPRIVATES BÜRO

153. VERMIETBARE RÄUME

154. HÄUSCHEN FÜR TEENAGER

155. HÄUSCHEN FÜR ALTE

156. ERFÜLLTE ARBEIT

157. WERKSTATT IM HAUS

158. OFFENE TREPPEN

159. LICHT VON ZWEI SEITEN IN JEDEM RAUM

160. DIE GEBÄUDEKANTE

161. SONNIGE STELLE

162. ABGESTUFTE NORDFRONT

163. ZIMMER IM FREIEN

164. STRASSENFENSTER

165. ÖFFNUNG ZUR STRASSE

166. DIE GALERIE RUNDHERUM

167. ZWEI-METER-BALKON

168. VERBINDUNG ZUM BODEN

169. TERRASSIERTER HANG

170. OBSTBÄUME

171. PLÄTZE UNTER BÄUMEN

172. WILDWACHSENDER GARTEN

173. GARTENMAUER

174. LAUBENWEG

175. GLASHAUS

176. SITZPLATZ IM GARTEN

177. GEMÜSEGARTEN

178. KOMPOST

179. NISCHEN

180. PLATZ AM FENSTER

181. DAS FEUER

182. ATMOSPHÄRE BEIM ESSEN

183. ABGRENZUG DES ARBEITSPLATZES

184. DER KOCHPLATZ

185. RUNDER SITZPLATZ

186. GEMEINSAMES SCHLAFEN

187. EHEBETT

188. BETTNISCHE

189. ANKLEIDEZIMMER

190. VERSCHIEDENE RAUMHÖHEN

191. FORM DES INNENRAUMS

192. FENSTER MIT BLICK AUF DIE AUSSENWELT

193. DURCHBROCHENE WAND

194. FENSTER IM INNERN

195. ANLEGEN DER STIEGE

196. TÜREN IN DEN ECKEN

197. DICKE WÄNDE

198. SCHRÄNKE ZWISCHEN RÄUMEN

199. SONNIGE ARBEITSFLÄCHE

200. OFFENE REGALE

201. BORD IN HÜFTHÖHE

202. EINGEBAUTE SITZBANK

203. HÖHLEN FÜR KINDER

204. GEHEIMFACH