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104 Verbesserung des Bauplatzes

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VERBESSERUNG DES BAUPLATZES
VERBESSERUNG DES BAUPLATZES

... die allgemeinsten Aspekte eines Gebäudekomplexes sind in GEBÄUDEKOMPLEX (95), ANZAHL DER STOCKWERKE (96) und ORIENTIERUNG DURCH BEREICHE (98) festgelegt. Die folgenden und alle weiteren Muster beziehen sich auf den Entwurf eines einzelnen Gebäudes und seiner Umgebung. Das vorliegende Muster erläutert den ersten Schritt überhaupt — den Prozess der Verbesserung des Bauplatzes. Da es oft darauf hinausläuft, dass sieh sehr spezielle kleine Flächen eines Grundstücks als die geeignetsten Bauflächen herausstellen, wird es gut ergänzt durch das Muster GEBÄUDEKOMPLEX (95), das Gebäude in kleinere Teile zerlegt, die man leichter an verschiedenen Ecken des Bauplatzes bestmöglich unterbringen kann.


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Gebaut werden muss immer auf den schlechtesten Teilen des Grundstücks, nicht auf den besten.


Dieser Gedanke ist wirklich sehr einfach. Aber er ist das genaue Gegenteil von dem, was gewöhnlich geschieht; und es :erfordert beträchtliche Willenskraft, ihn durchzuführen.


Was geschieht gewöhnlich, wenn jemand daran denkt, auf einem Stück Land zu bauen? Er sucht den besten Bauplatz — wo das Gras am schönsten ist, die Bäume am gesündesten, der Hang am ebensten, die Aussicht am reizendsten, der Boden am fruchtbarsten — und genau dort entschließt er sich, sein Haus hinzustellen. Der Vorgang ist der gleiche, ob das Grundstück groß ist oder klein. Auf einer kleinen Stadtparzelle kommt das Gebäude in die sonnigste Ecke, wo es am angenehmsten ist. Auf 50 Hektar freiem Land kommen die Gebäude an den schönsten Hang.


Das ist nur natürlich; und für jemand, der keine Gesamtsicht von der Ökologie des Bodens hat, scheint es das einleuchtendste und vernünftigste Vorgehen zu sein. Wenn man ein Gebäude errichtet, dann am „bestmöglichen Platz".


Aber nun denke an die übrigen drei Viertel des verfügbaren Bodens, die nicht ganz so schön sind. Da die Leute immer auf dem einen, gesündesten Viertel bauen, werden die anderen drei Viertel, ökologisch ohnehin schon weniger gesund, vernachlässigt. Allmählich werden sie immer weniger gesund. Wer wird je etwas für die dunkle und feuchte Ecke des Bauplatzes tun, wo sich der Abfall ansammelt, oder für den sumpfigen Teil des Grundstücks oder für den trockenen, steinigen Abhang wo nichts wächst?


Nicht nur das. Wenn wir auf den besten Teilen des Bodens bauen, werden jene Schönheiten, die schon vorhanden sind - der Krokus, der jeden Frühling durch den Rasen bricht, der besonnte Steinhügel, auf dem die Eidechsen sitzen, der, Kies weg, auf dem wir so gerne gehen - genau die werden vernichtet. Wenn der Bau auf jenen Teilen des Bodens beginnt, die schon gesund sind, werden mit jedem Bauvorgang unzählige Reize ausgelöscht.

Die Leute sagen sich dann: gut, wir können doch immer einen anderen Garten anfangen, eine andere Laube bauen, einen anderen Kiesweg anlegen, neuen Krokus in den neuen Rasen pflanzen, und die Eidechsen werden einen anderen Steinhügel finden. Aber es ist eben nicht so. Diese einfachen Dinge brauchen Jahre - es ist gar nicht so leicht, sie zu schaffen, nur weil man will. Und immer, wenn wir eine dieser kostbaren Besonderheiten stören, kann es zwanzig fahre oder sogar ein Leben dauern, bis aus unseren kleinen täglichen Bemühungen wieder ähnliche Besonderheiten entstehen.


Wenn wir immer auf dem gesündesten Teil des Bodens bauen, können wir praktisch sicher sein, dass immer ein großer Teil des Bodens nicht gesund sein wird. Wenn wir wollen, daß der Boden - alles Land - überall gesund ist, dann müssen wir das Gegenteil tun. Wir müssen jeden neuen Bauvorgang als eine Gelegenheit betrachten, ein Loch im Kleid zu flicken; jeder Bauvorgang gibt uns die Chance, einen der hässlichsten und am wenigsten gesunden Teile der Umwelt gesünder zu machen - für die ohnedies gesunden und schönen Teile sind keine Maßnahmen nötig. In Wirklichkeit müssen wir uns zwingen, sie in Ruhe zu lassen, so daß unsere Energie wirklich den Stellen zugute kommt, die es brauchen. Das ist das Prinzip der Verbesserung des Bauplatzes.


Tatsache ist, dass heutige Bebauungen bei diesem Muster kaum jemals gut abschneiden: jeder erinnert sich an eine lieb-gewonnene Stelle, die durch ein neues Gebäude oder eine neue Straße zerstört wurde. Der folgende Bericht aus dem San Francisco Chronicle (6. Februar 1973) mit dem Titel „Wütende Kin-der fahren ein Haus mit dem Bulldozer nieder" ist ein schlagendes Fallbeispiel:


Zwei dreizehnjährige Knaben — verärgert über eine Gruppe von Siedlungshäusern, die gerade mitten in ihr Kaninchen-Jagdgelände gebaut wurden — wurden nach dem Geständnis, dass sie eines der Häuser mit einem entwendeten Bagger dem Erdboden gleichgemacht hatten, verhaftet.

Nach Mitteilung des Sheriffs von Washoe County setzten die jugendlichen einen Bagger der vier Meilen nördlich von Reno gelegenen Baustelle in Gang und pflügten letzten Freitag Nacht mit dem schweren 'Fahrzeug viermal durch eines der Häuser.

Als die Arbeiter gestern früh ankamen, war das nahezu fertiggestellte Haus im Ranch-Stil ein Trümmerhaufen. Die Firma schätzt den Schaden auf 7.800 Dollar. Einer der Jungen sagte der Polizei, durch dieses Haus und einige andere in der Nähe würde ein „beliebtes Kaninchen-Jagdgehege" zerstört.

Die beiden Knaben wurden wegen boshafter Sachbeschädigung angeklagt.


Der Gedanke der Bauplatz-Verbesserung ist nur ein Anfang. Er zeigt, wie man den geringsten Schaden anrichtet. Aber die begabtesten traditionellen Baumeister brachten es stets fertig, nicht nur Schaden durch das Bauwerk zu vermeiden, sondern damit die natürliche Landschaft zu vervollkommnen. Diese Einstellung unterscheidet sich so grundlegend von unseren heutigen Ansichten über das Bauen, dass es Konzepte, wie man mit Bauten die Landschaft verbessern könnte, heutzutage gar nicht mehr gibt.



Daraus folgt:


Setz Gebäude auf keinen Fall an die Stellen, die am schönsten sind. Das Gegenteil ist richtig. Betrachte den Bauplatz und seine Gebäude als ein lebendes Öko-System. Lass die kostbarsten, schönsten, angenehmsten und gesündesten Bereiche, wie sie sind, und setz Neubauten auf jene Teile des Bauplatzes, die zur Zeit am wenigsten reizvoll sind.


Illustration aus „A Pattern Language“
Illustration aus „A Pattern Language“


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Lass vor allem die Bäume intakt und bau um sie herum ran größter Sorgfalt — PLÄTZE UNTER BÄUMEN (171); lass Freiräume nach Süden zur Sonne offen — AUSSENRAUM NACH SÜDEN (105), versuch ganz allgemein den Raum so zu formen, dass jede Stelle für sich positive Form erhält — POSITIVER AUSSENRAUM (106) Verbessere Hänge, wenn nötig, mit Hilfe TERRASSIERTER HÄNGE (169), und lass den Außenraum so weit wie möglich in seinen natürlichen Zustand — WILDWACHSENDER GARTEN (172). Wen es nötig ist, verschieb das Gebäude und drück es in Winkel und Ecken, damit ein schöner alter Weinstock, ein geliebter Busch ein reizender Rasenfleck erhalten bleibt — GEBÄUDEFLÜGEL MIT TAGESLICHT (107), LANGES, SCHMALES HAUS (109)

Muster: Gebäude


95. GEBÄUDEKOMPLEX

96. ANZAHL DER STOCKWERKE

97. ABGESCHIRMTES PARKEN

98. ORIENTIERUNG DURCH BEREICHE

99. HAUPTGEBÄUDE

100. FUSSGÄNGERSTRASSE

101. PASSAGE DURCHS GEBÄUDE

102. FAMILIE VON EINGÄNGEN

103. KLEINE PARKPLÄTZE

104. VERBESSERUNG DES BAUPLATZES

105. AUSSENRAUM NACH SÜDEN

106. POSITIVER AUSSENRAUM

107. GEBÄUDEFLÜGEL MIT TAGESLICHT

108. ZUSAMMENHÄNGENDE GEBÄUDE

109. LANGES SCHMALES HAUS

110. HAUPTEINGANG

111. HALBVERSTECKTER GARTEN

112. ZONE VOR DEM EINGANG

113. VERBINDUNG ZUM AUTO

114. HIERARCHIE VON AUSSENRÄUMEN

115. BELEBTE INNENHÖFE

116. DACHKASKADE

117. SCHÜTZENDES DACH

118. DACHGARTEN

119. ARKADEN

120. WEGE UND ZIELE

121. DIE FORM VON WEGEN

122. GEBÄUDEFRONTEN

123. FUSSGÄNGERDICHTE

124. AKTIVTÄTSNISCHEN

125. SITZSTUFEN

126. ETWAS FAST IN DER MITTE

127. STUFEN DER INTIMITÄT

128. SONNENLICHT IM INNEREN

129. GEMEINSCHAFTSBEREICHE IN DER MITTE

130. DER EINGANGSRAUM

131. VON RAUM ZU RAUM

132. KURZE VERBINDUNGSGÄNGE

133. DIE STIEGE ALS BÜHNE

134. DIE AUSSICHT DES MÖNCHS

135. WECHSEL VON HELL UND DUNKEL

136. BEREICH DES PAARS

137. BEREICH DER KINDER

138. SCHLAFEN NACH OSTEN

139. WOHNKÜCHE

140. PRIVATTERRASSE AN DER STRASSE

141. DAS EIGENE ZIMMER

142. MEHRERE SITZPLÄTZE

143. GRUPPE VON BETTEN

144. BADERAUM

145. ABSTELLRAUM

146. FLEXIBLE BÜROFLÄCHE

147. GEMEINSAMES ESSEN

148. KLEINE ARBEITSGRUPPEN

149. ENTGEGENKOMMENDER EMPFANG

150. EIN PLATZ ZUM WARTEN

151. KLEINE BESPRECHUNGSZIMMER

152. HALBPRIVATES BÜRO

153. VERMIETBARE RÄUME

154. HÄUSCHEN FÜR TEENAGER

155. HÄUSCHEN FÜR ALTE

156. ERFÜLLTE ARBEIT

157. WERKSTATT IM HAUS

158. OFFENE TREPPEN

159. LICHT VON ZWEI SEITEN IN JEDEM RAUM

160. DIE GEBÄUDEKANTE

161. SONNIGE STELLE

162. ABGESTUFTE NORDFRONT

163. ZIMMER IM FREIEN

164. STRASSENFENSTER

165. ÖFFNUNG ZUR STRASSE

166. DIE GALERIE RUNDHERUM

167. ZWEI-METER-BALKON

168. VERBINDUNG ZUM BODEN

169. TERRASSIERTER HANG

170. OBSTBÄUME

171. PLÄTZE UNTER BÄUMEN

172. WILDWACHSENDER GARTEN

173. GARTENMAUER

174. LAUBENWEG

175. GLASHAUS

176. SITZPLATZ IM GARTEN

177. GEMÜSEGARTEN

178. KOMPOST

179. NISCHEN

180. PLATZ AM FENSTER

181. DAS FEUER

182. ATMOSPHÄRE BEIM ESSEN

183. ABGRENZUG DES ARBEITSPLATZES

184. DER KOCHPLATZ

185. RUNDER SITZPLATZ

186. GEMEINSAMES SCHLAFEN

187. EHEBETT

188. BETTNISCHE

189. ANKLEIDEZIMMER

190. VERSCHIEDENE RAUMHÖHEN

191. FORM DES INNENRAUMS

192. FENSTER MIT BLICK AUF DIE AUSSENWELT

193. DURCHBROCHENE WAND

194. FENSTER IM INNERN

195. ANLEGEN DER STIEGE

196. TÜREN IN DEN ECKEN

197. DICKE WÄNDE

198. SCHRÄNKE ZWISCHEN RÄUMEN

199. SONNIGE ARBEITSFLÄCHE

200. OFFENE REGALE

201. BORD IN HÜFTHÖHE

202. EINGEBAUTE SITZBANK

203. HÖHLEN FÜR KINDER

204. GEHEIMFACH